• 04.10.2016 - Steuererklärung 4.0


    Digitalisierung bringt vielerlei Vorteile für Steuerpflichtige, Finanzbehörden und die steuerberatenden Berufe

    Die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen macht auch vor dem Steuerrecht keinen Halt. Erst kürzlich hat der Bundesrat am 17. Juni 2016 das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens (BGBl. I 2016 v. 22.07.2016, S. 1679 ff.). beschlossen, durch welches zukünftig die Abgabe und die Bearbeitung von Steuererklärungen schneller, einfacher und effizienter werden sollen.

    Schwerpunkt der Modernisierung ist dabei die verstärkte Nutzung moderner Informationstechnik im Besteuerungsverfahren. Durch das Gesetz wurden dabei insbesondere folgende Maßnahmen beschlossen:

    • Ausbau der elektronischen Kommunikation

    Die Möglichkeiten für Steuerpflichtige mit den Finanzbehörden in Kontakt zu treten sollen weiter verbessert werden. Auch sollen Steuerpflichtige künftig der Steuererklärung regelmäßig keine Belege mehr beifügen müssen. Belege, die im Einzelfall doch noch zu übersenden sind, sollen künftig elektronisch übermittelt werden.

    • Ausbau ausschließlich automationsgestützter Bearbeitung von Steuererklärungen

    Künftig sollen die einfach gelagerten Steuerfälle vollautomatisch durch IT-Systeme bearbeitet werden. Die Sachbearbeiter des Finanzamts können sich dann zukünftig auf die besonders prüfungswürdigen Fälle konzentrieren. Zu diesem Zweck werden sog. Risikomanagementsysteme implementiert, d.h. die einzelnen Steuerfälle werden anhand bestimmter Kriterien (z.B. Zahlungsverhalten, Komplexität des Steuerfalls, Höhe der Steuernachzahlungen in der Vergangenheit) in Risikoklassen eingeteilt. Fälle mit geringem Risiko sollen dann zukünftig bis hin zum Erlass des Steuerbescheids vollständig automatisch allein durch IT-Systeme bearbeitet werden.

    • Vereinfachung der Abgabe der Steuererklärung

    Zentrales Element ist die elektronische Steuererklärung und das Service-Angebot über das ELSTER-Online-Portal (www.elsteronline.de). Dieses wird an vielen Stellen weiterentwickelt und verbessert. Auch das Anfang 2014 eingeführte Serviceangebot der sog. vorausgefüllten Steuererklärung, mit dem die bei der Finanzverwaltung bereits gespeicherten Daten abgerufen und nach Prüfung einfach und schnell in die elektronische Einkommensteuererklärung übernommen werden können, wird weiter ausgebaut.

    • Verlängerung der Steuererklärungsfristen

    Ab dem Jahr 2018 wird die Steuererklärungsfrist nicht beratener Steuerpflichtiger um 2 Monate verlängert (31. Juli des Folgejahres statt bisher 31. Mai). In sogenannten Beraterfällen wird die Steuererklärungsfrist ebenfalls um weitere 2 Monate verlängert (28.2. des Zweitfolgejahres statt bisher 31.12. des Folgejahres).

    Hiermit einher geht eine Neuregelung des Verspätungszuschlags, welcher den rechtzeitigen Eingang der Steuererklärungen sicherstellen soll. Stand dessen Festsetzung bisher weitestgehend im Ermessen des Finanzamts, wird die Festsetzung eines Verspätungszuschlags künftig obligatorisch. Der Verspätungszuschlag wird dann für jeden Monat der Verspätung 0,25% der Steuernachzahlung, mindestens jedoch 25 € betragen.


    Nicht nur zwischen Steuerpflichtigem und Finanzamt, sondern auch in der Zusammenarbeit zwischen Steuerberater und Mandant spielen Digitalisierung und moderne IT eine immer größere Rolle. Innerhalb der Steuerberatungskanzleien sind die Arbeitsabläufe vielfach bereits weitestgehend digitalisiert. An der Schnittstelle zwischen Steuerberater und Mandant kommt es aber oftmals noch zu Medienbrüchen. Im Rahmen der Buchhaltung nimmt regelmäßig vor allem die manuelle Eingabe von Belegdaten (z.B. Rechnungsnummer, -datum, -betrag) anhand der eingereichten Papierbelege noch viel Zeit in Anspruch. Hier lässt sich aber mittlerweile durch automatische digitale Belegverarbeitung Zeit und somit Buchhaltungshonorar sparen:

    • Hierbei werden die Buchungsbelege  zunächst eingescannt und in Dateiform in das Buchhaltungssystem eingelesen. Durch automatische OCR-Texterkennung kann durch das Buchhaltungssystem ein Großteil der Belegdaten automatisch erkannt und ein entsprechender Buchungsvorschlag erstellt werden, der sich dann im Idealfall ohne weitere Dateneingabe direkt verbuchen lässt. Gleichzeitig wird der gescannte Beleg mit der Buchung verknüpft und innerhalb der Buchhaltung elektronisch archiviert. Bei Aufrufen einer Buchung lässt sich dann der zugrundeliegende Beleg direkt in Dateiformat anzeigen, ohne diesen in Rechnungsordnern oder Archiven suchen zu müssen.
    • Daneben lassen sich auch die Bankkontenauszüge digitalisiert und verschlüsselt von den Banken abrufen und  automatisch in das Buchhaltungssystem einspielen. Eine manuelle Erfassung vom Papier-Bankkontenauszug entfällt hierdurch.
    • Auch Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Mitarbeiter müssen nicht mehr in Papierform ausgedruckt und zugestellt werden. Stattdessen können sämtliche Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie weitere Unterlagen online in einem Portal bereitgestellt und gespeichert werden. Die einzelnen Mitarbeiter haben dann online Zugang zu Ihrem persönlichen Account und können die bereitgestellten Dokumente dort jederzeit einsehen und abrufen.

    Es gibt bereits cloud-basierte Portallösungen die eine Online-Zusammenarbeit und zum Teil eine Arbeitsteilung zwischen Steuerberater und Mandant ermöglichen. Das Portal ist dabei zum einen Kommunikationsplattform über das Nachrichten, Aufgaben und Termine ausgetauscht werden können. Zum anderen dient es als Datendrehscheibe, durch welche Daten seitens des Mandanten vorerfasst und dem Steuerberater digital bereitgestellt werden können, wie beispielsweise:

    • die Vorerfassung von Lohn- und Gehaltsdaten (z.B. Stundenzettel, Gehaltsänderungen, Anlage neuer Mitarbeiter),
    • die Vorerfassung von Eingangsrechnungen,
    • die digitale Kassenbuchführung.

    Die derart vorerfassten und digitalisierten Daten müssen vom Steuerberater dann nicht mehr manuell und zeitaufwendig ins Buchhaltungssystem eingegeben werden. Hierdurch lässt sich eine effektive, schnelle und kostengünstige Zusammenarbeit zwischen Steuerberater und Mandant realisieren.

    Die vorgenannten Beispiele zeigen, dass der digitale Wandel auch im steuerlichen Bereich längst Einzug gehalten hat. Hierdurch ergeben sich für alle Beteiligten neben neuen Herausforderungen insbesondere aber auch eine Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten. Bei weitergehenden Fragen hierzu sprechen Sie uns gern an.